Für die Energiegewinnung in den Muskelzellen stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung: die aerobe und die anaerobe Kohlenhydratverbrennung sowie die Fettverbrennung. Unter Kohlenhydratverbrennung versteht man die Verbrennung von Glucose, auch Glykolyse genannt.

Das heißt, dass bei sportlicher Betätigung nicht notwendigerweise Fette verbrannt werden. Dies wiederum erklärt teilweise, warum bestimmte Menschen trotz Sport nicht sonderlich abzunehmen scheinen. Und diese fehlende Gewichtsreduktion ist nicht immer mit einer Erhöhung der Muskelmasse zu erklären.

Wie es scheint, spielen hier genetische Faktoren eine gewisse Rolle. Der Muskelaufbau ist nicht von Mensch zu Mensch einheitlich angeordnet.

Es gibt Menschen mit einem höheren Anteil an roten Muskelfasern, auch Typ I- oder SO-Fasern genannt. Andere wiederum besitzen einen höheren Anteil an weißen Muskelfasern, TypII- oder FG-Fasern genannt. Die roten SO-Fasern arbeiten aerob und sind auf Ausdauer ausgelegt. Ein erhöhter Anteil dieser Fasergruppe verleiht seinem Besitzer die Fähigkeit, über lange Strecken z.B. zu laufen oder zu schwimmen und macht ihn als Sprinter eher ungeeignet. Die FG-Fasern dagegen arbeiten auch anaerob und sind auf rasche Kraftentwicklung ausgerichtet, ermüden aber rasch. Ihr Besitzer ist der ideale Sprinter.

Die Menschen, bei denen das Verhältnis von SO und FG etwa 50 zu 50 ist, sind weder die geborenen Sprinter noch die geborenen Marathonläufer. Dies stellt jedoch keinen Hinderungsgrund dar, denn für eine gesunde sportliche Betätigung sind keine genetischen Faktoren und Sonderverteilungen von Fasertypen erforderlich. Was sich in dieser Konstellation ändert, ist, dass beide Fasergruppen durch das Training gleichwertig angesprochen werden müssen, um einen optimalen Trainingseffekt zu erreichen.

Da unser Organismus genial faul ist, geht er immer den Weg des geringsten Widerstandes. Für die Energiebereitstellung in der Muskulatur heißt dies, dass er die Kohlenhydratverbrennung bevorzugt, da Kohlenhydrate schnell bereitgestellt werden, im Gegensatz zu den Fetten, die erst durch die Leber wasserlöslich = transportabel gemacht werden müssen. Mit zunehmender Intensität der Muskelarbeit wird vermehrt das Coenzym NAD+ verbraucht.

Ist der Pool an diesem NAD+ verbraucht, kann keine aerobe Verbrennung mehr stattfinden und der Muskel muss auf die anaerobe Verbrennung umschalten, bei der es zur Produktion von Lactat kommt. Man kann das Lactat auch als eine nicht vollständig verbrannte Glucose ansehen.

Steigt bei anhaltendem körperlichem Training dieser Lactatspiegel an, kommt es bald zu Ermüdungserscheinung oder gar Muskelkrämpfen. Diese sind als physiologische Warnsignale anzusehen, dass die Leistungsgrenze der Muskulatur erreicht oder sogar schon überschritten worden ist.

Für einen Sportanfänger oder –wiederanfänger wird in der ersten Phase der sportlichen Eingewöhnung kaum Fettverbrennung angesagt sein. Dies diente früher als Erklärung für den Muskelkater, der auf die Lactatproduktion zurückgeführt wurde. Erst langsam aber sicher nimmt der Organismus die Möglichkeit der Fettverbrennung ins Visier.

Voraussetzung dafür ist eine rege, länger anhaltende körperliche Aktivität. Daher stammen auch die Vorschläge, oft zu Fuß zu gehen oder zu radeln, Treppen zu steigen und auch sonst häufiger den Annehmlichkeiten der zivilisierten Welt zu entsagen. Denn laut Genetik ist unser Organismus darauf ausgelegt, täglich 10 Kilometer zu wandern. Wer das Aktivitätsniveau dieser 10 Kilometer unterschreitet, darf auf keine Fettverbrennung hoffen. Man könnte dies mit einem automobilen Turbo-Charger vergleichen, der erst beim Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeit, z.B. 150 km/h, einsetzt. Bei Unterschreiten der Trigger-Geschwindigkeit bleibt er stumm.

Eine wichtige, aber einfache Hilfe zur Beurteilung der Fettstoffwechselintensität ist der morgendliche Ruhepuls nach dem Aufwachen. Denn je niedriger dieser Ruhepuls ist, umso mehr greift der Organismus auf die Fettverbrennung als Energielieferant zurück. Fett und Puls haben hier keine direkte kausale Verbindung, aber der kann Ruhepuls Hinweise auf den Trainingzustand einer Person geben, der wiederum in Relation zur Energieverbrennung bei körperlicher Aktivität steht.

Im fortgeschrittenem Stadium, wenn die Fettverbrennung bereits angesprungen ist, wird die Energie über aerobe Glykolyse und aerobe Fettverbrennung ablaufen. Je nach Belastung und Dauer wird als „Notfalllösung“ die anaerobe Glykolyse als dritte Möglichkeit mit einbezogen, was sich dann in einem im Blut nachweisbaren Lactatanstieg bemerkbar macht.

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