Aus Rio de Janeiro kommen etwas seltsam anmutende Neuigkeiten bezüglich Fitness, Sterblichkeitsrisiko und die Art und Weise, wie der Zusammenhang zwischen beiden gemessen werden kann.

Die Arbeit behauptet nämlich, dass die Art und Weise, wie ein Proband sich auf den Boden setzen und wieder aufstehen kann, Aussagen über sein Sterblichkeitsrisiko zulässt. Die Arbeit dazu wurde im Dezember 2012 veröffentlicht:

de Brito et al.: Gama Filho University, Rio de Janeiro, Brazil.
„Ability to ist und rise from the floor as a predictor of all-cause mortality.“
Eur J Prev Cardiol. 2012 Dec 13
https://ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23242910

Die Autoren bemerken, dass die kardiorespiratorische (Herz-Kreislauf) Fitness eng assoziiert ist mit einer verringerten Sterblichkeit.

Dagegen gibt es kaum Daten zur Frage, inwieweit die „Fitness des Bewegungsapparates“ ebenso ein Indikator sein könnte. Die Autoren führten dazu eine Studie durch, bei der die Fähigkeit, sich auf den Boden zu setzen und von selbigen wieder aufzustehen, (ohne dabei Arme oder Hände zu gebrauchen), mit einer verminderten Neigung zur Sterblichkeit assoziiert werden kann. Bei dieser Studie handelt es sich um eine retrospektive Kohortenstudie.

In die Studie wurden 2002 Probanden aufgenommen, deren Alter zwischen 51 und 80 Jahren lag. 68 Prozent der Probanden waren Männer. Alle Probanden führten den SRT (sitting-rising test = hinsetzen-aufstehen)vom und zum Boden aus. Die Leistung wurde mit Punkten von 0 bis 5 in einem Intervall von 0,5 bewertet. Es wurde ein Punkt abgezogen, wenn für das Hinsetzen bzw. Aufstehen durch Aktionen von Händen und Knien unterstützt werden mussten. Der finale SRT-Wert lag zwischen 0 und 10 (max. 5 für ein perfektes Aufstehen und 5 fürs Hinsetzen ohne Hilfen). Daraus wurden dann 4 Bewertungskategorien geschaffen: Kategorie 1 lag zwischen 0 und 3 Punkten; Kategorie 2 zwischen 3,5 und 5,5; Kategorie 3 zwischen 6 und 7,5 und Kategorie 4 zwischen 8 und 10 Punkten. Der mittlere Beobachtungszeitraum der Probanden lag bei 6,3 Jahren. In dieser Zeit wurden 159 Todesfälle registriert (7,9 %).

Die Auswertung in Bezug auf die Kategorien ergab eine signifikant höhere Todesrate in den niedrigeren Kategorien. Eine zusätzliche statistische Auswertung, unter Einbeziehung von Alter, Geschlecht und BMI, ergab ebenfalls höhere Mortalitätsrisiken für die niedrigen Kategorien und ein geringeres Mortalitätsrisiko für die Kategorie mit den hohen Punktzahlen. Ausgehend von der Kategorie mit den geringsten Punktzahlen verringerte sich das Mortalitätsrisiko in der jeweils nächst höheren Gruppe um 21 Prozent.

Die Autoren schlossen aus diesen Beobachtungen, dass die muskuloskelettale Fitness, erhoben durch einen einfach auszuführenden SRT (sitting-rising test = hinsetzen-aufstehen), einen guten Voraussagewert besitzt für die Mortalität von 51- bis 80-Jährigen. Dieser Test spiegelt die Stärke und Flexibilität der Muskulatur wider und könnte, laut Aussagen der Autoren, bei gesundheitlichen Routineuntersuchungen mit aufgenommen werden, um relevante Hinweise auf die funktionellen Kapazitäten und körperlichen Fähigkeiten eines Patienten zu erhalten.

Wie einfach dieser Test in der Praxis ist, demonstriert einer der Autoren dieser Veröffentlichung auf Youtube (mit englischen Untertiteln): Video musste wegen Datenschutz entfernt werden.

Das ist einer der wenigen Studien die ich kenne, die die Bedeutung der Beweglichkeit in Bezug zur Gesundheit setzt. In Anbetracht der Tatsache wie die Komponente „Beweglichkeit“ derzeit in der Sportwissenschaft gesehen wird, finde ich das schon bedeutend…