Bei schlechten Schulnoten sehen Eltern oft nur einen Weg: Nachhilfeunterricht. Aber es gibt vielleicht auch einen anderen Weg, der zudem noch kostenlos und auch natürlich ist – also Naturheilkunde pur.

Da fand ich jetzt also auch eine Studie von der Universität von Nord-Texas, die besagt, dass in einem gesunden Körper tatsächlich auch ein lernfähiger Geist wohnt.

Die Arbeit zeigte, dass gesunde Herzen und Lungen möglicherweise die wichtigsten Faktoren sind für Mittelklässler, um in Mathematik und Lesen bessere Fortschritte zu machen.

Die Fitness von Herz und Lunge sind bislang die einzigen Parameter, die immer wieder mit den schulischen Leistungen beim Lesen und Rechnen in Verbindung gebracht werden können. Wenn das richtig ist, dann wäre die Förderung der körperlichen Fitness von Kindern ein Schlag von 2 Fliegen mit einer Klappe: körperliche Fitness hat allgemein gesundheitliche Vorteile und sie verbessert schulische Leistungen in den angesprochenen Bereichen. Damit könnte auch der Nachhilfeunterricht überflüssig werden. Außerdem macht das Rumtoben den Kindern mehr Spaß als Rumpauken.

Aber die noch in der Literatur unveröffentlichte Arbeit (sie wurde auf einem medizinischen Kongress im August diesen Jahres in Florida vorgestellt) ist aber nicht die einzige dieser Art, die auf diesen Zusammenhang hinweist. Im Januar 2012 veröffentlichten niederländische Wissenschaftler eine Meta-Analyse, in der sie allgemein einen positiven Zusammenhang sahen zwischen körperlicher Aktivität und schulischer Leistungsfähigkeit. Allerdings fußten die Ergebnisse auf den Auswertungen von nur 2 qualitativ hochwertigen Arbeiten, was für definitive Aussagen noch zu dürftig erscheint.

Aber es scheint sich das Bild abzuzeichnen, dass körperliche Aktivität für die kognitiven Fähigkeiten nützlich sein können. Dies könnte durch den erhöhten Blutfluss zum Gehirn vermittelt sein, der mehr Nährstoffe und Sauerstoff ins Gehirn transportiert. Die erhöhten Konzentrationen von Katecholaminen und Endorphinen resultieren zudem in einer Stressreduktion und einer Verbesserung des mentalen Gleichgewichts. Zudem werden vermehrt Wachstumsfaktoren vom Organismus produziert, die bei der Konstruktion von neuen Nervenzellen und deren Verschaltung wichtig sind.

Ein Gymnasium in Napervile, Illinois hat daraus die Folgen gezogen und ein spezielles Aktivitätsprogramm für seine Schüler angeboten. Wer mochte, konnte jeden morgen vor den eigentlichen Unterrichtsstunden an dynamischen Körperübungen teilnehmen. Aber auch während des ganzen Tages über bestand die Möglichkeit für die Schüler, sich in den Klassen auf Heimtrainer-Fahrräder zu setzen und zu trainieren bzw. sich mit Bällen fit zu halten. Die Resultate waren überraschend. Die Teilnehmer an diesen Aktivitäten verbesserten ihre Lesenoten um das doppelte und die Mathe-Noten um das 20-fache (In den USA gibt es keine Noten von 1 bis 6, sondern ein Punktesystem).

So kommen einschlägige Untersuchungen zu einer Reihe von interessanten Ergebnissen:

  • bei Hauptschülern erhöhte sich der IQ im Durchschnitt um 4 Punkte, wenn pro Tag 40 Minuten körperliches Training veranstaltet wurde.
  • unter Schülern der 6. Klasse hatten die Fittesten einen 30-prozentig höheren Notendurchschnitt, die am wenigsten Fitten einen 20-prozentigen Notenwert unter dem Durchschnitt.
  • bei den älteren Schülern hatten die, die intensiv Sport betrieben, eine 20-prozentige Verbesserung der Noten in Mathematik, Wissenschaften, Englisch und Gemeinschaftskunde.
  • fitte 18-Jährige haben größere Chancen auf eine Universitätsausbildung mit entsprechenden Stellenangeboten.
  • Schüler und Studenten, die vor der Schule oder dem Studium trainieren, zeigen verbesserte Prüfungsergebnisse von 17 Prozent. Die, die zuvor 40 Minuten trainieren, haben durch die Bank einen verbesserten Notendurchschnitt.

Auf der anderen Seite gibt es keine Belege dafür, dass diese Form der körperlichen Betätigung für Kinder auch das Hocken vor dem Fernseher oder Computer wett macht. Mehr als 2 Stunden täglich an der „Glotze“, sei es TV oder Computer, sind in der Regel verbunden mit der Entwicklung von emotionalen Störungen und Verhaltensstörungen, gleichgültig wie viel Zeit danach oder zuvor aufgebracht wird, um körperlich aktiv zu sein. Auch hierzu gibt es eine Studie, die folgendes zeigt:

  • Kinder, die mehr als 2 Stunden täglich vor dem Fernseher oder Computer hocken, hatten eine 61- bzw. 59-prozentig höhere Wahrscheinlichkeit, an psychischen Störungen zu leiden.
  • Kinder, die mehr als 2 Stunden täglich vor dem Fernseher saßen und zu wenig körperliche Bewegung hatten, hatten eine 70-prozentig erhöhte Wahrscheinlichkeit für psychische Störungen.
  • das Risiko erhöhte sich dann auf 81 Prozent für die Kinder, die pro Tag mehr als 2 Stunden vor dem Computer saßen und kaum körperliche Bewegung hatten.

Solche Ergebnisse lassen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass es nur im Interesse der Kinder ist, TV, Computer und Video-Spiele auf ein Minimum zu begrenzen und statt dessen durch körperliche Aktivitäten zu ersetzen.

Welche körperliche Aktivität ist die beste für die Kinder?

Die Frage scheint nur schwer zu beantworten zu sein. Ist sie aber nicht. Am besten ist das, was Kindern Spaß macht. Kinder sind von Natur aus „Bewegungsmaschinen“. Sie sind auf Bewegung „programmiert“.

Deswegen fällt es den meisten auch schwer, still zu sitzen, z. B. bei Tisch, in der Kirche usw. Fußball, Wettrennen, Ballspiele, Schwimmen usw. sind für Kinder erlebnisreicher als die Angebote der Unterhaltungsindustrie, nicht zuletzt da sie auch körperlich und geistig höhere Anforderungen an die Kleinen stellen, die spielerisch bewältigt werden können.

Fazit

Wer die geistige Entwicklung seines Kindes fördern möchte, der darf auf keinen Fall seine körperliche Entwicklung vernachlässigen. Denn, wie es scheint, gilt der Spruch vom gesunden Geist im gesunden Körper mehr denn je für die Kleinen. Und wenn wir Großen uns den Kleinen bei Spiel und Sport anschließen, dann können wir vielleicht noch etwas von ihnen lernen.

Meine Empfehlung

Computerspiele (Wii, Nintendo und Playstation, PC-Spiele) haben nichts in den Kinderzimmern zu suchen, ebensowenig ein Fernseher. Machen Sie den Kindern Angebote und lassen Sie diese verschiedene Sportarten probieren. Gut finde ich Leichtathletik, Turnen und klassische Kampfsportarten wie Tae-Kwon-Do, Karate oder Judo. Ballsportarten sind natürlich auch gut, allerdings etwas einseitiger, ebenso wie Schwimmen. Aber Hauptsache: was tun!